Willkommen zum Fukushima-Info- und -Diskussions-Forum des physikBlogs.

Die Zahl der Kommentare auf unsere Fukushima-Beiträge ist jenseits der 1000er Marke. Es wird zu unübersichtlich!
Daher gibt's dieses Forum, bei dem ihr über den Unfall von Fukushima kommentieren könnt, was das Zeug hält!

Zu einer kleinen Einführung, hier entlang.

Ihr seid neu hier? Das physikBlog hat in vier Artikeln den Unfall von Fukushima begleitet. Eine Lektüre, zumindest des Aktuellsten, empfiehlt sich vor dem Mitdiskutieren!

Es sei erwähnt, dass wir bei der Moderation der Kommentare hier weniger streng sind, als im Blog. Ihr seid freier in eurer Themenwahl.

Viel Spaß, André & Andi vom physikBlog.

Verständnisfragen zu Auswirkungen von Strahlung
  • TimTim April 2011
    1) Wenn Isotope innerhalb eines Organismus sind, sei es ein Mensch, ein Tier, usw, kann die Strahlung verschiedene Schäden hervorrufen - ob dies unmittelbar geschieht ist Zufall oder?
    Sprich einerseits wie konkret das freigesetzte Teilchen mit der Umgebung reagiert/interagiert und anderseits wie die Auswirkung verläuft (z.B. eine Zelle stirbt ab vs unkontrolliertes Zellenwachstum).

    2) Insofern werden selbst bei exakt gleicher Belastung, selbst mit exakt gleicher Ablagerung im Körper, die Auswirkungen sich unterscheiden.

    3) Jedoch umso mehr aufgenommen wird, umso eher werden negative Auswirkungen auftreten.

    4) Bisher habe ich kaum etwas zur Auswirkung von Strahlung auf und in Pflanzen gelesen - mit der Ausnahme um Tschernobyl seien sehr schnell die Wälder abgestorben. Wieso ließt man dazu sehr wenig und kann jemand was zu den Auswirkungen sagen?

    5) Ähnlich zu Tieren - es wurde gesagt, dass die Masse eines Organismus eine Rolle spielt; wahrscheinlich ebenso die Komplexität eine Organismus. Wird der Fokus auf Menschen gesetzt, weil dort die Auswirkungen am gravierendsten sind?

    6) Als Mensch ist man natürlicher Strahlung ausgesetzt. Jedoch besteht der deutliche Unterschied in der Form? Z.B. ob bei @- und ß-Strahlung diese konkret in den Körper aufgenommen wird und mit welchem Element (bzgl. Ort der Ablagerung).

    7) Zumindest bei Gammastrahlung müsste ein Unterschied zwischen z.B. einer Exposition von 100 mS im Jahr und und von einmalig 100mS nur eine Stunde lang bestehen (gleichförmig dauerhaft vs kurz und konzentriert)?

    Danke für Eure Einsichten!
  • SileneSilene April 2011
    1) Wenn Isotope innerhalb eines Organismus sind, sei es ein Mensch, ein Tier, usw, kann die Strahlung verschiedene Schäden hervorrufen - ob dies unmittelbar geschieht ist Zufall oder?
    Sprich einerseits wie konkret das freigesetzte Teilchen mit der Umgebung reagiert/interagiert und anderseits wie die Auswirkung verläuft (z.B. eine Zelle stirbt ab vs unkontrolliertes Zellenwachstum).

    Wenn nur wenig Radioaktivität inkorporiert wurde, sind zunächst mal keine unmittelbaren Effekte zu erwarten. Längerfristig gibt es einen erkennbaren Zusammenhang zwischen der Menge aufgenommener strahlender Teilchen und der Häufigkeit bestimmter Erkrankungen. Die Wahrscheinlichkeit, dass man z.B. an Leukämie erkrankt, steigt mit der Menge inkorporierter Radioaktivität.
    Für eine betroffene Einzelperson kann man dennoch keine klare Vorhersage machen, weil zu viele Faktoren wirksam sind (Gesundheitszustand, Alter, Ernährung...) und die Fähigkeit unserer Körperzellen, Strahlenschäden zu reparieren, begrenzt ist. Hier kommt letztendlich auch der Zufall ins Spiel. Steter Tropfen höhlt den Stein.

    2) Insofern werden selbst bei exakt gleicher Belastung, selbst mit exakt gleicher Ablagerung im Körper, die Auswirkungen sich unterscheiden.

    Die Auswirkungen können von Person zu Person unterschiedlich sein, je nachdem wo die persönlichen Schwachstellen und Empfindlichkeiten liegen. Es gibt aber unter bestimmten Umständen klar erkennbare Ursache-Wirkungs-Zusammenhänge. Ab einer bestimmten aufgenommenen Menge von Iod-131 kann man z.B. recht sicher Schäden der Schilddrüse erwarten. Die Auswirkung niedrig dosierter und relativ diffus im Körper verteilter Radioisotope über längere Zeit ist dagegen schwer vorherzusagen.

    3) Jedoch umso mehr aufgenommen wird, umso eher werden negative Auswirkungen auftreten.

    Das ist prinzipiell zu erwarten.

    4) Bisher habe ich kaum etwas zur Auswirkung von Strahlung auf und in Pflanzen gelesen - mit der Ausnahme um Tschernobyl seien sehr schnell die Wälder abgestorben. Wieso ließt man dazu sehr wenig und kann jemand was zu den Auswirkungen sagen?

    5) Ähnlich zu Tieren - es wurde gesagt, dass die Masse eines Organismus eine Rolle spielt; wahrscheinlich ebenso die Komplexität eine Organismus. Wird der Fokus auf Menschen gesetzt, weil dort die Auswirkungen am gravierendsten sind?

    Pflanzen reagieren grundsätzlich weniger empfindlich auf Radioaktivität und können sich offensichtlich auch ganz gut anpassen:
    http://www.welt.de/wissenschaft/article3768740/Pflanzen-passen-sich-Radioaktivitaet-an.html
    Auch Tiere reagieren nicht alle gleich empfindlich. Es ist bekannt, dass z.B. einige Insekten extrem hohe Strahlendosen vertragen. Es gibt aber m.W. Studien aus Tschernobyl, die zeigen, dass es auch bei ihnen zu Entwicklungsstörungen kommt. Unter den mikrobiellen Organismen gibt es einige sogenannte extremophile Arten, die sehr strahlungstolerant sind. Für einige davon stellt ionisierende Strahlung sogar eine nutzbare Energiequelle dar!
    http://de.wikipedia.org/wiki/Radiotrophe_Pilze
    http://de.wikipedia.org/wiki/Deinococcus_radiodurans

    6) Als Mensch ist man natürlicher Strahlung ausgesetzt. Jedoch besteht der deutliche Unterschied in der Form? Z.B. ob bei @- und ß-Strahlung diese konkret in den Körper aufgenommen wird und mit welchem Element (bzgl. Ort der Ablagerung).

    Wenn Strahlung von außen auf unseren Körper einwirkt, hängt es von der Art der Strahlung ab, wie tief sie in uns eindringt. Alphastrahlung kommt nicht sehr weit und schädigt nur die obersten Schichten der Haut. Da sich unsere Haut ständig aus tieferliegenden Schichten regeneriert und die geschädigten Zellen an der Oberhaut abgestoßen werden, ruft das keine dauerhaften Schäden hervor. Wenn aber Stoffe, die Alphastrahlung aussenden, in den Körper hinein gelangen, hat das schlimme Folgen. Bei Betastrahlung sind die Zusammenhänge ganz ähnlich.

    7) Zumindest bei Gammastrahlung müsste ein Unterschied zwischen z.B. einer Exposition von 100 mS im Jahr und und von einmalig 100mS nur eine Stunde lang bestehen (gleichförmig dauerhaft vs kurz und konzentriert)?

    Physikalisch betrachtet ist es egal, ob ein Körper viel Energie in kurzer Zeit oder wenig Energie über lange Zeiträume aufnimmt. Für biologische Organismen könnte das aber durchaus einen Unterschied machen. Leider fehlt mir auf diesem Gebiet die Sachkenntnis, deshalb ist das nur eine Vermutung.
  • BernhardBernhard April 2011
    Zu 6: Radioaktive Strahlung hat ionisierende Wirkung, d.h. es werden chemische Bindungen aufgebrochen und damit Moleküle zerstört, z.B. die DNA. Das ist für die Zellen nicht gut. Die Anzahl der erzeugten Ionen ist von der Energie der Strahlung abhängig. Daher ist die im Gewebe deponierte Energie ein Maß für den angerichteten Schaden.

    Daß die unterschiedlichen Strahlungsarten bei gleicher Energie unterschiedlich zerstörerisch sind, erklärt sich wie folgt:

    Alpha-Strahlen sind Heliumkerne mit hoher Geschwindigkeit. Diese werden im Gewebe sehr schnell abgebremst, kommen also nicht weit. Sie richten aber auf der kurzen Strecke um so mehr Verwüstung an und schädigen damit die einzelnen Zellen stärker, als Beta- und Gamma-Strahlung. Zellen haben einen Reparaturmechanismus, weil ja immer was kaputt geht und das Leben schon immer mit Radioaktivität zu tun hatte. Nur wenn eine Zelle zu stark geschädigt ist, dann kann der Schaden nicht mehr behoben werden.

    Beta-Strahlung sind schnelle Elektronen, die einen längeren Bremsweg haben und daher den Schaden auf eine längere Strecke verteilen. Da haben die Zellen mehr Chancen mit ihrem Reparaturmechanismus den Schaden wieder zu beheben.

    Gamma-Strahlen sind ebenso wie Röntgenstrahlen hochenergetische Photonen, also wie das Licht elektromagnetische Strahlung, nur mit viel kürzerer Wellenlänge. Sie können von Elektronen absorbiert werden (Photoeffekt) oder an Elektronen inelastisch gestreut werden (Compton-Effekt). In beiden Fällen wird Energie auf Elektronen übertragen (die Elektronen werden sozusagen wie Billardkugeln angestoßen). Diese herausgeschossenen Elektronen srichten dann weiteren Schaden an.

    Daher sind Beta- und Gamma-Strahlen bei gleicher Energie bezüglich ihrer Schadenswirkung vergleichbar und Alpha-Strahlung um einiges (Faktor 30 bis 50, wenn ich mich recht entsinne - lang ist es her) schlimmer.

    Die Geschichte mit der Reichweite hat Silene bereits erläutert. Weil Alpha-Stahlung so schnell abgebremst wird, kann sie den Körper nur gefährlich werden, wenn ein Alpha-Strahler aufgenommen wird, z.B. über die Nahrung oder die Luft - dann aber richtig! Gamma-Strahlung dringt sehr tief ein und ist daher auch bei Bestrahlung von außen gefährlich. Beta-Strahlung liegt in der Reichweite dazwischen. Die Schutzanzüge der Arbeiter in Fukushima schützen also nur zuverlässig gegen die Aufnahme radioaktiver Partikel, aber von außen nur bedingt gegen Beta-Strahlung und überhaupt nicht gegen Gammastrahlung. Gegen letztere kann man sich nicht wirksam mit einem Anzug schützen, weil dafür mehr Blei nötig wäre, als der Mensch tragen kann. Der Bleipanzer der Liquidatoren in Tschernobyl hat knapp einen Zentner gewogen, aber nur notdürftig geschützt.

    Sehr wenig weiß man (oder ich) übrigens über Neutronen - die wären für die Arbeiter in Fukushima eine sehr große Gefahr, wenn der Reaktor wieder kritisch wird, also eine Kettenreaktion in Gang kommt. Vielleicht kann Mechthild was dazu sagen - wenn google mich nicht trügt, ist sie Expertin in Neutronenphysik.




  • TimTim April 2011
    Danke euch beiden!


    Ist bekannt wieso manche Insekten selbst bei hoher Strahlung keine Auswirkungen zeigen?

    Bei 6) ist die eigentlich dahinter stehende Frage folgende:
    Alpha- und Betastrahlung muss in den Körper gelangen um Schäden anzurichten. Um was handelt es sich bei der typischen Strahlung, die ein Mensch permanent ausgesetzt ist - um Gamma/UV?
    Oder Einatmen von (Staub?)Partikeln mit angehängten strahlenden Elementen.
    Oder um Nahrungsaufnahme (Obst/Gemüse/Milch/Pilze/Wasser).

    Zu 7) Understanding the Reactor Meltdown in Fukushima, Japan from a Physics Perspective (80 Minuten)


    In den ersten zehn-zwanzig Minuten sagt der Physiker mehrmals, dass kurz und intensiv deutlich schlimmer ist als gleichmäßig und langfristig.
    Leider geht er nicht darauf ein wieso.

    Insgesamt gut das Thema "nuclear fission and status at Fukushima" erklärender Vortrag. In der Q&A kommt ein US Spezialist für Kernkraftwerke/Sicherheitssysteme länger zu Wort.
  • TimTim April 2011
    Silene said:

    [Kyodo News] Radiation exposure level nears limit for 1 worker at Fukushima plant

    TEPCO [...] said it found that the amount of internal and external radiation exposures of one of its employees [...] had reached 240.8 millisieverts in total, while another received 226.6 millisieverts.


    Kann bitte jemand erklären wie und was da genau gemessen wird?

    Die meisten Geräte ("Dosimeter") detektieren nur Beta- und Gammastrahlung oda?
    Im besten Fall kann man annehmen, dass die Arbeiter durch die Atemmasken keine Teilchen mit Strahlung einatmen und durch die Schutzkleidung keine Hautkontakt haben.
    Kennt sich da jemand aus oder hat einen Linkvorschlag? Danke.
  • SileneSilene April 2011
    Um was handelt es sich bei der typischen Strahlung, die ein Mensch permanent ausgesetzt ist - um Gamma/UV?
    Oder Einatmen von (Staub?)Partikeln mit angehängten strahlenden Elementen.
    Oder um Nahrungsaufnahme (Obst/Gemüse/Milch/Pilze/Wasser).

    Neben der kosmischen Strahlung, die glücklicherweise durch das Erdmagnetfeld und die Atmosphäre gut abgeschirmt wird, gibt es noch weitere natürliche Strahlungsquellen. Radon-222, ein radioaktives Edelgas, tritt an vielen Orten aus dem Erdboden. Im (Trink-) Wasser können Spuren von Tritium, Kalium-40, Radium-226 oder Uran vorkommen. Die Freisetzung von Radium, Uran und Radon kann z.B. durch den Abbau von Bodenschätzen verstärkt werden.

    Kann bitte jemand erklären wie und was da genau gemessen wird?
    Zunächst einmal sollten die Arbeiter in Fukushima Dosimeter bei sich tragen, die je nach Bauart Gamma- oder auch Betastrahlung messen. Im aktuellen Fall scheint die Dosimetermessung durch eine spätere Ganzkörpermessung ergänzt worden zu sein, weshalb das erste Messergebnis (17.55 mSv) widerrufen und auf 240.8 mSv erhöht wurde. Die inkorporierten Alpha- und Betastrahler können prinzipiell kaum erfasst werden, man behilft sich oft mit Messungen der Aktivitäten im Blut und Urin und versucht das hochzurechnen.
  • TimTim April 2011
    Danke Silence. Jedoch ließ dir das ma durch. :|

    Quelle mit Textstellen hervorgehoben hier:
    http://ex-skf.blogspot.com/2011/04/fukushima-i-nuke-plant-2-workers.html


    #Fukushima I Nuke Plant: 2 Workers Exceeded 200 Milli-Sieverts

    The number is the total of external and internal exposures, as of the end of March. The reason why TEPCO is now announcing? Well TEPCO didn't know, because they couldn't use the whole-body counters that measure the internal radiation at Fukushima I Nuke Power Plant.

    Why couldn't the whole-body counters be used? (There are 4 of them at Fukushima I.)

    Another Mainichi article (in Japanese, 4/30/2011) explains that there was no power at the plant until the end of March so the counters couldn't be used. By the time the power was finally restored, the air radiation level at the plant had gotton so high that the measurement was rendered irrelevant; even when the radiation was detected by the whole-body counter, they couldn't distinguish between the internal radiation exposure level and the environmental radiation level. TEPCO finally moved the workers who exceeded 100 milli-sieverts to its Iwaki-City facility and measured the internal radiation there, with the help of Japan Atomic Energy Agency.

    If TEPCO was so disorganized and rattled with the on-going crisis at Fukushima I and wasn't paying enough attention for the radiation safety for the workers, wasn't it the government's responsibility to ensure the safety of the workers by arranging for the whole-body counters and doing the testing, much, much sooner?

    (Oh I forgot. This is the government who said it was basically TEPCO's problem to find enough food, water and blanket for the workers, while it stood by, saying it regretted the situation.)

    So it suddenly occurred to the government and TEPCO after 6 weeks that they could take the workers off-site and have them tested?

    Just criminal.


  • AnonymousAnonymous Mai 2011
    "In den ersten zehn-zwanzig Minuten sagt der Physiker mehrmals, dass kurz und intensiv deutlich schlimmer ist als gleichmäßig und langfristig.
    Leider geht er nicht darauf ein wieso."


    @Tim: Ionisierende Strahlung schädigt vor allem DNA (bei extrem hoher Energie auch in nennenswertem Umfang Proteine, so dass allgemeine Degenerationserscheinungen auftreten wie bei Verbrennungen, aber das lassen wir mal hier weg). Wenn man den Zellen Zeit genug für DNA-Reparaturen gibt, können die Schäden wieder ausgeglichen werden und es bleibt im Prinzip kein Schaden zurück. Daher gibt's keine deterministischen Schäden bei geringen Strahlendosen in kurzen Zeiteinheiten ("kurz" heißt beim Menschen so um die 24h). Wiederholt man das Ganze nach >24h, gibt es immer noch keine deterministischen Schäden. Ergo "kann"* man Menschen z.B. 10 Tage hintereinander in den Reaktor schicken und in jeweils einer Stunde je 100mSv einfangen lassen, ohne dass sie (kurzfristig) akute Probleme bekommen. Hätten sie an einem Tag 10 Stunden drin gearbeitet und in der Summe die gleiche Dosis (1 Sv) abbekommen, würden sie akut strahlenkrank.

    Leider funktioniert die Reparatur aber nicht zu 100%, denn wenn bei mindestens einer Zelle ein Schaden so fies ist, dass er falsch repariert wird und dann auch noch der eigentlich nötige programmierte Zelltod nicht mehr (richtig) gestartet wird, kann Krebs entstehen. Und dafür genügt schon ein einziger gut platzierter "Schuss" - das ist das statistische Risiko, das nach allgemeiner Ansicht nie völlig Null ist.

    * vorausgesetzt, man ist skrupellos genug ;)
  • TimTim Mai 2011
    Danke grufti91 für die gute Gesamtsicht!
  • WalterWalter Mai 2011
    @grufti91

    Zitat: "In den ersten zehn-zwanzig Minuten sagt der Physiker mehrmals, dass kurz und intensiv deutlich schlimmer ist als gleichmäßig und langfristig.
    Leider geht er nicht darauf ein wieso."

    Frage: Welcher Physiker sagt das?

    Zitat: Wenn man den Zellen Zeit genug für DNA-Reparaturen gibt, können die Schäden wieder ausgeglichen werden und es bleibt im Prinzip kein Schaden zurück. Daher gibt's keine deterministischen Schäden bei geringen Strahlendosen in kurzen Zeiteinheiten ("kurz" heißt beim Menschen so um die 24h). .

    Frage: Quelle?



  • SileneSilene Mai 2011



  • AnonymousAnonymous Mai 2011
    @Walter
    Zitat: Welcher Physiker sagt das?
    Das bezog sich auf Frage 7 von Tim vom 21.4. 17:12 (ist ja schon etwas älter, seh ich jetzt erst ;)

    Zitat: Quelle?
    Man schaue mal z.B. hier, da werden allgemein biologische Konsequenzen ionisierender Strahlung zusammengefasst und ab Folie 28 auch der Zusammenhang mit der Reparatur nach Zellreplikation ("Schäden werden nicht [sofort] repariert [...] können bei der nächsten Replikation jedoch [...] repariert werden").

    Jetzt braucht man noch die Zellzykluszeit bei menschlichen Zellen: Um die 20-24 Stunden, siehe Wiki oder hier, schwankt aber stark und kann bei einzelnen Zelltypen wesentlich kürzer sein, z.B. Lymphozyten. Oder wesentlich länger (aka unendlich) bei Nervenzellen. Was letztere mit akkumulierten DNA-Schäden machen, wäre mal interessant.
  • WalterWalter Mai 2011
    @grufti91

    ich habe den Beitrag gefunden. Prof. Ben Monreal bezieht sich auf die direkte Exposition / Strahlendosis. Da ist natürlich Abstand und Reinigung der Oberflächen ein probates Mittel. Allerdings zieht er Vergleiche, denen ich nicht zustimmen kann.
    Die Aussage, dass die chemischen Eigenschaften sich bei Radionukliden nicht verändern, stimmt beim Beispiel Wasserstoff. Sobald man bei Alpha-Strahlern diese Aussage trifft, völliger Schwachsinn.

    Die Aussage, dass Tschernobyl wesentlich schlimmer war, ist genauso Blödsinn.
    Ob ich einen 10 Liter Eimer mit Motoröl sofort auskippe, oder ein 1.000 Liter-Tank
    mit Motoröl in 3 Monaten durch ein kleines Loch ausläuft, ist im Endergebnis wesentlich schlimmer.

    Der Punkt ist, wie Silene ausführt, die KONTAMINATION.
    Die Strahlenbelastung duch ein Alpha-Teilchen oder Beta-Strahlung (ein schnelles Elektron) ist nach Energieübertrag weg.

    Werden aber Staubpartikel oder Radionuklide höherer Massenzahlen inkoporiert,
    haben wir eine erhebliche Dauerbelastung mit allen nachfolgenden Elementen der
    Zerfallsreihe. Dann addieren sich die Halbwertszeiten, und die Strahlendosen steigen
    faktorweise.

    Hinzu kommt noch die von Silene ausgeführte Bioakkumulation. Hier reichern sich
    die Radionuklide ebenfalls um Faktorgrößen an. Das sieht man exemplarisch an der
    Anreicherung in den Sandaalen.

    Manche Pflanzen und Tiere in unserer Biosphäre wirken wie "Staubsauger" dieser Radionuklide: Plankton im Meer, Pilze im Boden.
  • AnonymousAnonymous Mai 2011
    Nun konnte ich mir auch endlich mal das Video anschauen - hatte bisher keinen Ton verfügbar.

    Zitat Walter: Die Aussage, dass die chemischen Eigenschaften sich bei Radionukliden nicht verändern, stimmt beim Beispiel Wasserstoff. Sobald man bei Alpha-Strahlern diese Aussage trifft, völliger Schwachsinn.

    Hm? Eigentlich ist es ja andersherum, chemische Eigenschaftsunterschiede zwischen Isotopen sind deutlicher bei leichten Elementen wegen der größeren relativen Massenunterschiede, Stichwort Isotopeneffekt. Extremfall Wasserstoff, dessen schwerere Isotope Deuterium und Tritium sogar leicht giftig sind, u.a. weil die Lösefähigkeit (von schwerem Wasser) geringer ist, Protonengradienten nicht mehr richtig funktionieren usw.

    Ansonsten kann ich nur zustimmen; was die langfristige Belastung in der Bevölkerung angeht, sind die Anreicherungen in den Nahrungsketten und anschließende Aufnahme im Körper sicherlich viel bedeutender als die direkte externe Exposition.

    Eine interessante und für mich auch schockierende Konsequenz aus der vermuteten Linearität von Dosis->Krebswahrscheinlichkeit wird von Ben Monreal ja auch angesprochen (wenn auch gleich wieder abgebügelt mit dem Hinweis, dass man lieber radioaktive Freisetzung aus Kohlekraftwerken vermeiden soll), nämlich dass es völlig egal ist, wie weitläufig das radioaktive Material verteilt wird; die Anzahl der darauffolgenden Erkrankungen bleibt gleich (Verdünnung auf ein Zehntel über zehnmal so viele Menschen -> gleiche Erkrankungszahl). Steven Wing hatte das auch angesprochen.
  • WalterWalter Mai 2011
    Ja Isotopeneffekt spielt eine Rolle. War nur etwas verstimmt, wenn man das gleich auf die höheren Elemente überträgt. Wobei die Betrachtung Wasserstoff-Deuterium-Tritium hinsichtlich der Bindungsenergien nicht ganz uninteressant ist.
  • WalterWalter Mai 2011
    Die Natur arbeitet immer in Kreisläufen und Fliessgleichgewichten. Wenn die Grenze überschritten wird, schlägt es um. Dann staunt der Fachmann und der Laie wundert sich...
  • TimTim Mai 2011
    Around this area, extreme high levels of radioactivity have been observed -- up to 2,000 milisieverts per hour, thus workers can only stay in the vicinity for around 8 minutes.


    Mir kommen diese Aussagen verharmlosend vor - es wird doch kein Mensch an eine so hohe Strahlungsquelle ran gehen, wenn er es nicht zwingend muss oda?!
    Dieses simple Runterrechnen auf das 250mSv (total / year) ist doch völlig unpassend oder nicht?
  • http://www3.nhk.or.jp/daily/english/16_06.html

    Mal sehen, wie sich das entwickelt, hoffentlich kein Überlaufen......
  • TimTim Januar 2012
    > More vegetables are deformed from stress | Fukushima Diary
    http://fukushima-diary.com/2012/01/vegetables-deformed-stress/

    Wie normal sind den solche Mutationen?
    Ist es zu erwarten sowas durch die Cäsium Belastung im Umland von Fukushima zu sehen?
  • OlorinOlorin Januar 2012
    Tim said:


    Ist bekannt wieso manche Insekten selbst bei hoher Strahlung keine Auswirkungen zeigen?



    Von den Reparaturmechanismen, die weiter oben mal angedeutet wurden mal abgesehen, ich hätte zumindest zwei Ideen.

    1. je komplexer ein Organismus und seine Genbibliothek, desto empfindlicher

    2. es gibt Tier- und Pflanzenarten, welche nicht wie der Mensch 2 Chromosomen pro Typ haben, sondern 4, 6 oder gar 8. Sogenannte Multiploidität, zB bei Weizen. Nun ist die Wahrscheinlichkeit, daß ein Punktdefekt durch ionisierende Strahlung expressiert wird und damit eine Krankheit auslöst, natürlich mit steigender Redundanz unwahrscheinlicher...

  • TimTim Januar 2012
    Gute Punkte Olorin. Danke

    Zu den neusten TEPCO Bildern/Video aus R2:
    Die weißen Punkte sind Bilderfehler durch Strahlung, wenn ich es richtig verstanden habe.
    Die Frage ist nun: Handelt es sich dabei vorwiegend um Gamma Strahlung?
    Das Wasser müsste doch eigentlich die meisten Teilchen binden.
  • clancy688clancy688 Januar 2012
    Es wurde ja festgestellt, dass der Wasserspiegel tiefer ist als gedacht... mal wieder.
  • PopulusPopulus Februar 2013
    http://fukushimavoice-eng.blogspot.co.at/2013/02/fukushima-thyroid-examination-part-4.html
    The results compiled up to January 21, 2013 revealed that 41,947 (44.2%) of 94,975 children had thyroid ultrasound abnormalities.

    Kennt jemand die normalen Rate für "thyroid ultrasound abnormalities"?
  • DonDonDonDon April 2013
    According to Ministry of the Environment, thyroid nodule and cyst were measured from 56.6 % of the children in Aomori, Yamanashi and Nagasaki.
    http://fukushima-diary.com/2013/03/thyroid-nodule-and-cyst-found-from-57-of-children-outside-of-fukushima-moe-higher-than-fukushima/

    Why did they eliminate the children of 0 ~ 2 y.o ?
    The thyroid test in Fukushima include the children of 0 ~ 2 y.o and some of them were diagnosed with nodules and cysts too.
  • DonDonDonDon April 2013
    A PROBLEM OF LOW DOSE EFFECTS: The Inadequacy of the Official Concept of Radiation Safety http://www.foejapan.org/energy/evt/pdf/121214_y.pdf

    Alexey Yablokov

    Russian Academy of Science, Moscow
  • DonDonDonDon April 2013
    Health State of Belarusian Children Suffering from the Chernobyl Accident:
    Sixteen Years after the Catastrophe
    Alexander N. ARYNCHYN, Tatiana V. AVHACHEVA, Nika A. GRES,
    Ekaterina I. SLOBOZHANINA*
    Research Clinical Institute for Radiation Medicine and Endocrinology; Aksakovschina, 223032 Minsk,
    Belarus: arynchyn@hotmail.com
    *Institute of Photobiology, AMS: Kuprevich str. 2, 220141 Minsk, Belarus
    http://www.rri.kyoto-u.ac.jp/NSRG/reports/kr79/kr79pdf/Arynchyn.pdf

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