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Radioaktivität im Grundwasser - noch so ein Thema
  • SileneSilene April 2011
    Mitte März meldete TEPCO ja noch, dass keinerlei Radioaktivität im Grundwasser gemessen werden konnte. Anfang April musste man dann zurück rudern: "Groundwater at nuclear plant 'highly' radiation-contaminated" titelte Kyodo News.

    Dennoch wird das Grundwasser von den Medien derzeit eher als "Nebenschauplatz" betrachtet. Es sieht schließlich so aus, als ob der Austritt kontaminierten Kühlwassers aus den Reaktoren eingedämmt wäre. Man denke nur an die medienwirksame Inszenierung der Abdichtungsarbeiten an dem ominösen Graben vor Block 2.
    Am 6. April wurde stolz verkündet "Das Leck ist dicht!". Seitdem geht die Radioaktivität im Meer vor dem Kraftwerk ständig zurück. Ist jetzt also alles in Butter, "mission accomplished"?

    Ich bezweifle das ganz stark. Dass ein mittelgroßes Leck, aus dem maximal 7 Kubikmeter Wasser pro Stunde herausflossen, allein für die großflächige Kontamination des Meeres vor Fukushima verantwortlich sein könnte, wird ja wohl niemand ernsthaft glauben. Aber sprechen denn die Radioaktivitätswerte im Meer nicht für diese These? Warum sonst sollten die abgesunken sein?

    Nun ja, es wurde Ende März noch eine viel bedeutendere Maßnahme am Kraftwerk durchgeführt als nur die Abdichtung eines Betonrisses. Man hat nämlich auch die Reaktorkühlung von Meerwasser auf Süßwasser umgestellt. Welche Konsequenzen hatte dieser Schritt?

    Betrachten wir mal die hydro-geologischen Verhältnisse an einer Meeresküste, wo Süßwasser aus dem Landesinneren mit Meerwasser zusammenstößt:

    image

    Das marine Salzwasser schiebt sich hier keilförmig unter den Grundwasserkörper und hebt diesen dadurch an. Das hat damit zu tun, dass Salzwasser dichter als Süßwasser ist und das "leichte" Süßwasser quasi auf dem Salzwasser "schwimmt".

    Aber ich wollte ja über die Konsequenzen für die Kühlwasserverluste reden. Solange stark salzhaltiges Kühlwasser aus den Fundamenten des Kraftwerks herauslief, konnte es sich kaum mit dem Grundwasser mischen. Aufgrund seiner Dichte ist es vermutlich durch die Grundwasserschicht hindurchgesackt und so in das darunter liegende Salzwasser gelangt. Dadurch wanderte die Radioaktivität ins Meer.
    Seit etwa drei Wochen ist das Kühlwasser aber nicht mehr salzig, da man die Reaktoren nun mit Süßwasser spült. Freigesetztes Süßwasser wird nun natürlich einen anderen Weg einschlagen als das Salzwasser zuvor. Es wandert wahrscheinlich direkt in den Grundwasserkörper, weil seine Dichte der des Grundwassers entspricht. Bei fast 500 Kubikmetern Kühlwasser täglich bleibt so etwas natürlich nicht ohne Folgen. Wie sonst ist wohl der Einbruch "radioaktiven Grundwassers" in das Turbinengebäude der Blöcke 5 und 6 zu erklären?
  • SileneSilene April 2011
    Damit hier keine unbegründeten Ängste geschürt werden: Das küstennahe Grundwasser wird, soweit ich herausfinden konnte, in Japan nicht zur Trinkwassergewinnung herangezogen. Außerdem fließen die Grundwasserströme meerwärts. Früher oder später landet die Radioaktivität dann doch im Meer.
  • engeng April 2011
    Hmm, wie ist überhaupt der "Einbruch" von Grundwasser in das Turbinengebäude der Blöcke 5 und 6 zu erklären?
  • SileneSilene April 2011
    Wenn man dem Grundwasser täglich ein paar hundert Kubikmeter zuführt, wird der Pegel lokal stark ansteigen. An welchen Stellen das Wasser dann in das Turbinengebäude läuft, kann ich nicht sagen. Aber ich könnte mir durchaus vorstellen, dass der Untergrund langsam nachgibt. Ob ein Gebäude dieser Größe dann Risse bekommen kann, wirst Du vermutlich besser beurteilen können als ich. Vielleicht läuft das Wasser ja wieder durch einen Kabelschacht rein?
  • TimTim April 2011
    Zwei Anmerkungen:

    Die letzten Tage gab es ein Bild mit dem Querschnitt der Gebäude in Bezug auf ihre Höhenlage. Soweit ich mich erinnere, waren die Turbinengebäude von 5&6 einige wenige Meter höher gelegen und daher hatte es scheinbar ein Generator überlebt.

    Die Höhe der Gebäude wäre in diesem Zusammenhang interessant. Vielleicht findet ja jemand das Bild wieder oder die Information in anderer Form.


    Bin mir nicht mehr sicher, jedoch dachte ich gelesen zu haben, sie wollten mit dem Süßwasser einen Kreislauf hin bekommen. Sprich es soll eigentlich nicht alles in die Umgebung abfließen.
    Woher kommt das Süßwasser aktuell eigentlich? Anfangs wurde es doch per Tankschiff der US Army an transportiert oda?
  • SileneSilene April 2011
    Bin mir nicht mehr sicher, jedoch dachte ich gelesen zu haben, sie wollten mit dem Süßwasser einen Kreislauf hin bekommen. Sprich es soll eigentlich nicht alles in die Umgebung abfließen.

    Die Kühlung als Kreislauf soll nach TEPCOs Plänen irgendwann im Juli (?) bereitstehen. Der Kühlkreislauf wird aber, wenn ich das richtig verstehe, nicht wirklich geschlossen sein. Man wird auf die Zuleitung von Süßwasser verzichten und stattdessen Wasser aus dem Turbinengebäude absaugen, es entsalzen und dann in den Reaktor pumpen. Falls das Fundament des Turbinengebäudes undicht ist, was kaum jemand bezweifelt ("Tokyo Electric says radioactive water may possibly be still leaking out through unidentified routes"), wird wohl fröhlich weiter Radioaktivität ins Grundwasser gelangen.

    Woher kommt das Süßwasser aktuell eigentlich?

    Ich meine gelesen zu haben, dass es aus Tanks auf dem Kraftwerksgelände stammt.
  • SileneSilene April 2011
    Noch etwas:
    TEPCO schätzt die Wassermenge, die aus dem Kraftwerk in den Pazifik geflossen ist, auf gerade mal 520 Tonnen. Das entspricht nicht viel mehr als einer Tagesration Kühlwasser, denn laut IAEA werden derzeit 6+7+7 m³/h in die Blöcke 1-3 geleitet.
  • SileneSilene April 2011
    Danke, Anton!

    Hier also die "results of measurement of sub drain" am 30. März

    Messung am Block 1
    Te-129: 1200000 Bq/l
    Te-129m: 8700 Bq/l
    I-131: 430000 Bq/l
    Cs-134: 5200 Bq/l
    Cs-136: 39000 Bq/l
    Cs-137: 5900 Bq/l

    Messung am Block 2
    Te-129: -
    Te-129m: 1700 Bq/l
    I-131: 80000 Bq/l
    Cs-134: 700 Bq/l
    Cs-137: 630 Bq/l

    Messung am Block 3
    Te-129: -
    Te-129m: -
    I-131: 22000 Bq/l
    Cs-134: 10000 Bq/l
    Cs-136: 940 Bq/l
    Cs-137: 10000 Bq/l

    Messung am Block 5
    Te-129: -
    Te-129m: -
    I-131: 1600 Bq/l
    Cs-134: 250 Bq/l
    Cs-136: 27 Bq/l
    Cs-137: 270 Bq/l

    Messung am Block 6
    Te-129: 810 Bq/l
    Te-129m: 1300 Bq/l
    I-131: 20000 Bq/l
    Cs-134: 4700 Bq/l
    Cs-136: 390 Bq/l
    Cs-137: 4900 Bq/l
  • SileneSilene April 2011
    Zum Vergleich mal die Messergebnisse des Wassers aus dem Graben von Block 1
    (entnommen am 29. März):

    Te-129: 21000 Bq/l
    Te-129m: 4100 Bq/l
    I-131: 5400 Bq/l
    Cs-134: 700 Bq/l
    Cs-136: 51 Bq/l
    Cs-137: 790 Bq/l

    Noch ein Hinweis zur Interpretation: Te-129 hat eine Halbwertszeit von 70 Minuten!
  • SileneSilene April 2011
    Hier noch eine kleine Rechnung, die mir zu denken gibt.

    Prämisse 1: TEPCO meint dass insgesamt 520 m³ kontaminiertes Wasser in den Pazifik geflossen sind.

    Prämisse 2: Als ich das letzte Mal TEPCOs Messwerte mitnotiert habe, lagen die Messwerte für I-131, Cs-134 und Cs-137 in einem Meeresgebiet von geschätzt ca. 30 km² bei jeweils rund 1000 Bq/l.

    Gehen wir mal ganz konservativ davon aus, dass nur der oberste Meter der Wassersäule von der Kontamination betroffen ist, dann kommen wir auf einen Verdünnungsfaktor, der bei etwa 60000 lag. Realistisch betrachtet dürfte er weit höher liegen.

    Schlussfolgerung:
    Um die gemessenen Werte zu erklären, hätte das Wasser, dass ins Meer floss, eine Aktivität von zusammen 60000⋅3 kBq/l = 180 MBq/l für die drei genannten Isotope haben müssen! Eigentlich noch höher, wenn man die Halbwertszeiten berücksichtigt. Ich denke, das können wir ausschließen.

    Die alternative Erklärung halte ich für die wahrscheinlichere: es muss sehr viel mehr kontaminiertes Wasser aus dem Kraftwerk abgeflossen sein.

    (Falls ich mich in meinem jugendlichen Leichtsinn übel verrechnet haben sollte, bitte ich um Handzeichen!)
  • engeng April 2011
    Wurden nicht zigtausend Kubikmeter "leicht" kontamiertes Wasser ins Meer abgelassen, um Platz in den Behältern für "stark" kontamiertes Wasser zu machen?
  • SileneSilene April 2011
    Kyodo News zufolge behauptet TEPCO, dass die 520 m³ Wasser eine Gesamtaktivität von 5000 Terabecquerel transportiert hätten. Das wären 9,6 TBq/m³ oder 9,6 GBq/l!

    Highly radioactive water that leaked into the Pacific Ocean from the crisis-hit Fukushima Daiichi nuclear plant in early April contained an estimated 5,000 terabecquerels of radioactive substances, 20,000 times the annual allowable limit for the plant, Tokyo Electric Power Co. said Thursday, adding that the leakage amounted to 520 tons.
  • SileneSilene April 2011
    @eng
    Wurden nicht zigtausend Kubikmeter "leicht" kontamiertes Wasser ins Meer abgelassen, um Platz in den Behältern für "stark" kontamiertes Wasser zu machen?

    Ja, das stimmt. Guter Hinweis. Ab dem 4. April insgesamt etwa 10000 m³ (ich habe die Chronologie noch mal bei der IAEA nachgeschlagen).

    Das war sicherlich ein wesentlicher Beitrag zur Strahlenbelastung des Meeres, wie man auch auf den Diagrammen der GRS gut erkennen kann. Schon zwei Tage bevor die Einleitung begann (und somit vier Tage vor Abdichtung des Grabens) war der radioaktive Eintrag ins Meer deutlich zurückgegangen, was meiner Meinung nach mit der Einspeisung von Süßwasser in die Reaktoren zu tun hat.
  • clancy688clancy688 April 2011
    eng said:

    Wurden nicht zigtausend Kubikmeter "leicht" kontamiertes Wasser ins Meer abgelassen, um Platz in den Behältern für "stark" kontamiertes Wasser zu machen?



    Diese 10.000 Tonnen kamen insgesamt nicht mal auf 1 TBq Aktivität. Wenige Liter von dem richtig harten Zeugs (Das mit mehreren GBq pro cm³) hatte mehr Aktivität als die gesamten 10.000 Tonnen dieses leicht verstrahlten Krams.

    Ist auch hier nachzulesen:

    http://www.tepco.co.jp/en/press/corp-com/release/11041507-e.html

    Maximal waren es 20 Bq/cm³ I131. Insgesamt gibt TEPCO einen Wert von 0,15 TBq für die Gesamtmasse von 10.000 Tonnen an.
    Zum Vergleich: Aus dem mittlerweile gestopften Leck kamen 520 Tonnen mit einer Gesamtaktivität von 4700 TBq.

    http://www.tepco.co.jp/en/press/corp-com/release/betu11_e/images/110421e2.pdf
  • engeng April 2011
    @clancy688: was ist Deine Schlussfolgerung daraus?
  • SileneSilene April 2011
    clancy688 schrieb:
    Zum Vergleich: Aus dem mittlerweile gestopften Leck kamen 520 Tonnen mit einer Gesamtaktivität von 4700 TBq.

    http://www.tepco.co.jp/en/press/corp-com/release/betu11_e/images/110421e2.pdf


    Holy Shit!
    Ich bin bisher von vergleichsweise harmlosen Werten ausgegangen, wie sie zum Zeitpunkt der Undichtigkeit als "The result of the nuclide analysis of water in the trench of Unit 1" genannt wurden.

    Die frisch veröffentlichten Werte liegen aber millionenfach höher. Hoffentlich ist die Radioaktivität des übrigen Wassers im Turbinengebäude geringer. Sonst würde das ja bedeuten, dass da bereits 500000 TBq im Keller herum schwappen!
  • clancy688clancy688 April 2011
    eng said:

    @clancy688: was ist Deine Schlussfolgerung daraus?



    Dass man sich absolut keine Sorgen um dieses Low-Level-Wasser zu machen braucht, das rausgepumpt wird.
    Das ist ein winziger Tropfen in dem großen Schwimmbad an Radioaktivität, die ins Meerwasser ausgetreten ist. Ob das Zeug jetzt dazu kommt oder nicht - die Schäden sind auch so schon da. Und diese Menge fällt absolut nicht ins Gewicht, verglichen mit dem, was eh schon den Pazifik verpestet.

    Bzgl. der 500.000 TBq: Das Jod dürfte mittlerweile ziemlich gering geworden sein, aber in den drei Reaktorblöcken waren am 11. März insgesamt schätzungsweise 1.000.000 TBq C137 und 6.000.000 TBq I131.
    Die Abklingbecken sind da nicht mit einbezogen... aber die lecken ja hoffentlich auch nicht.
  • SileneSilene April 2011
    Mir wird jetzt erst klar, wie sehr mich TEPCOs Pressemitteilungen an der Nase herumgeführt haben. Anfang April war von stark und schwach radioaktivem Wasser die Rede. Das schwach radioaktive Wasser sollte ins Meer gepumpt werden, um Platz für das stark radioaktive Wasser zu schaffen. Dann das Leck im Graben. Ein paar hundert Kubikmeter stark radioaktives Wasser gelangen ins Meer. Die publizierten Werte für das "trench water" und das Meerwasser im Hafenbecken des Kraftwerks liegen etwa tausend- bis zehntausendfach über den Grenzwerten. Das fand ich bereits ziemlich erschreckend.

    Jetzt stellt sich heraus, dass es sich bei diesen Werten um die Radioaktivität des schwach verunreinigten Wassers handelte! Wie schreibt TEPCO so schön im letzten Statusbericht: "Assessed low impact to the public as the radioactivity in 10,000 tons of the low level water is equivalent to 10 litter of high level water in Unit 2." In diesem PDF kann man jetzt auch die korrekten Werte für "Trench water in Unit 2 (As of 3/30 at 8:50)" nachlesen:
    I-131 : 6.9X106 Bq/cm³
    Cs-137 : 2.0X106 Bq/cm³.
    Diese Zahlen liegen etwa 10 Millionen mal über den Grenzwerten.
  • SileneSilene April 2011
    @clancy688
    Wenn das Leck also am 6. April geschlossen wurde, so dass die Werte im Meerwasser kurzfristig um fast zwei Zehnerpotenzen sanken, warum stiegen sie danach wieder steil an? Laut GRS war das absolute Maximum am 8. April erreicht. Hast Du eine Idee?
  • vosteivostei April 2011
    Das Meer ist nicht sonderlich tief dort und es könnte ein Effekt der Einleitung von Abwässern sein, niedrigere Dichte, somit oben. Außerdem rinnt offensichtlich Wasser nach, weil Tepco Spundwaende plant.
  • engeng April 2011
    @clancy 688: Bezüglich Aufklärung Schlussfolgerung. Danke, dann hatte ich Dich richtig verstanden.
  • clancy688clancy688 April 2011
    Silene said:

    @clancy688
    Wenn das Leck also am 6. April geschlossen wurde, so dass die Werte im Meerwasser kurzfristig um fast zwei Zehnerpotenzen sanken, warum stiegen sie danach wieder steil an? Laut GRS war das absolute Maximum am 8. April erreicht. Hast Du eine Idee?



    Ungünstige Strömungen und weitere Lecks, andere Erklärungen fallen mir da gerade nicht zu ein...
    Oder aber das gestopfte Leck führte nicht direkt in den Ozean, und von der Stelle an, wo es repariert wurde, ist es noch eine Strecke. Dann könnte das restliche Wasser durchaus noch einige Zeit gebraucht haben.
    Aber da kann man glaube ich wohl echt nur rumspekulieren... ^^;

  • engeng April 2011
    @Silene: Hmm, Tepco hatte doch eigentlich darüber informiert das eine große Menge schwach radioaktiven Wasser absichtlich und eine geringe Menge stark radioaktives Wasser unabsichtlich ins Meer abgelassen wurde.

    Nachdem jetzt weitere Schnittzeichungen der Gebäude vorliegen ist es aber schwer zu erklären wo das stark radioaktive Wasser herkommen soll. Es wird ja eine Leckage am Sicherheitsbehälter RB2 vermutet. Aber der Sicherheitsbehälter aus Stahl befindet sich ja noch in der massiven, meterdicken Stahlbetonhülle. Und auch um den ringförmigen Torus aus Stahl befindet sich noch eine massive Stahlbetonhülle. Der Stahlbeton würde dem Wasser ganz sicher standhalten. Eine mögliche Erklärung wären defekte Rohrleitungsdurchführungen oder defekte Wartungsöffnungen. Deren Lage ist eigentlich bekannt um entsprechende Abdichtungsmaßnahmen einleiten zu können, wenn nicht die hohe Radioaktivität diese Arbeiten verhindert.
  • SileneSilene April 2011
    @Silene: Hmm, Tepco hatte doch eigentlich darüber informiert das eine große Menge schwach radioaktiven Wasser absichtlich und eine geringe Menge stark radioaktives Wasser unabsichtlich ins Meer abgelassen wurde.

    Das hatte TEPCO tatsächlich. Allerdings erweckten die veröffentlichten Isotopenanalysen (bei mir) den Eindruck, dass das stark radioaktive Wasser aus dem undichten Graben unmöglich für die hohen Werte im Meer verantwortlich sein könnte.
    Wenn man aber die Werte zugrunde legt, auf die clancy688 aufmerksam gemacht hat (Danke!), sieht das ganz anders aus. 10 Gigabecquerel/l allein durch Iod-131 und Radiocaesium, das darf man allerdings als "stark radioaktives Wasser" bezeichnen!
  • clancy688clancy688 April 2011
    Das wundert mich jetzt aber... das waren ja nicht die einzigen Wassermesswerte in solchen Größenordnungen:

    http://www.tepco.co.jp/en/press/corp-com/release/betu11_e/images/110405e30.pdf
    http://www.tepco.co.jp/en/press/corp-com/release/betu11_e/images/110327e15.pdf

    Und irgendwo hatte ich mal ein Bild einer Messung gesehen, die auf 20 MBq/cm³ kam.
  • SileneSilene April 2011
    @ clancy688
    Das muss Dich nicht wundern, denn es zeigt nur, dass Du dich weit intensiver mit den Datensätzen auseinandergesetzt hast, als ich.
    Gerade die letztgenannte Tabelle finde ich in diesem Zusammenhang ungemein interessant. Da steht nämlich auch mehrfach die horrende Strahlendosis von >1000 mSv/h drin. Ein Wert, der m.W. Ende März noch von TEPCO als Messfehler bezeichnet wurde.
  • clancy688clancy688 April 2011
    Nein, der Messfehler war auf Aktivität bezogen, nicht auf Strahlendosis. Das kannst du auch in meiner zweiten verlinkten PDF schön nachlesen.
    Dort tauchen nämlich in der ersten Spalte (Die auch "Error" heißt) unglaublich hohe Messwerte von Jod-134 auf. Ich hatte mir damals den Spaß gemacht und ausgerechnet, wie viel Masse an Jod-134 zu Beginn des Unfalls vorhanden sein musste (da es eine sehr kurze Halbwertszeit hat). Das Ergebnis hab ich nicht mehr im Kopf, aber es war auf jeden Fall weit weit mehr als die Gesamtmasse des uns bekannten Universums.
    Die >1000 mSv/h haben bei TEPCO irgendwie Tradition. Angeblich regeln deren Messgeräte ab 1000 mSv/h ab. Ich hab allerdings auch schon Spekulationen gesehen, nach denen irgendein rechtliches Schlupfloch existiert, nach welchem man Messungen über 1000 mSv/h zwar angeben muss, nicht aber den korrekten Wert...
    Die zweite Spalte beinhaltet dann die korrekten Werte. Im physicsforum wurde als Grund für die falsche Messung ein Softwarefehler erwogen.
  • WalterWalter April 2011
    Ja, war doch clever von TEPCO und der Regierung und INES, die gemessenen Werte auf die Atmosphäre und kontaminiertem Wasser aufzuteilen...
  • clancy688clancy688 April 2011
    Walter said:

    Ja, war doch clever von TEPCO und der Regierung und INES, die gemessenen Werte auf die Atmosphäre und kontaminiertem Wasser aufzuteilen...



    Bei der INES-Einstufung geht's einzig und alleine um atmosphärische Freisetzungen, das steht auch so im INES-Manual. Außerdem ist's eh egal, INES-7 ist's so oder so.
  • WalterWalter April 2011
    @clancy688:

    Danke für die Steilvorlage...
    Was steht den in der Präambel von INES:

    Guidance on international communications:

    When communicating events using the INES rating, it needs to be remembered that the target audience is primarily the media and the public. Therefore:
    —Use plain language and avoid technical jargon in the summary description of the event;
    —Avoid abbreviations, especially if equipment or systems are mentioned (e.g. main coolant pump instead of MCP);
    —Mention the actual confirmed consequences such as deterministic health effects to workers and/or members of the public;
    —Provide an estimate of the number of workers and/or members of the public exposed as well as their actual exposure....

    Haben die Teilnehmer doch alle mustergültig erfüllt....
  • WalterWalter April 2011
    Na immerhin hat man Pu239 und Am141 in einer Tabelle gewürdigt.
  • SileneSilene Mai 2011
    Auch Arnie Gunderson vermutet nun eine starke Kontaminierung des Grundwasser (ab 10:06)




  • vosteivostei Mai 2011
    01: ein Gewässersystem nördlich, eins südlich von Fuk
    03: etwas näher

    Es gab schon vor der größeren Einleitung von Abwässern Radioaktivität im Meer dort und hinterher erst recht. Grundwasserhorizonte gibts eigentlich nicht dort. Aber dennoch hatten und haben die Probs mit Wasser an den unmöglichsten Stellen im Werk. Die projektierte Spundwand bis zum Grundgestein, die behelfssmäßig eingesetzten Stahltafelbleche - ich vermute, dass die gesamte Struktur durch Beben, Tsunami und die Explosionen so erschüttert ist, dass alles an Kühlwasser und Drainage zusammen auf Grundebene Richtung Meer rinnt.
    Auf der Karte sieht man btw auch die Beckenartige Struktur, die man seeseitig hat stehen lassen.
    Attachments
    FuKgEoL01.jpg 309K
    FuKgEoL03.jpg 334K
  • engeng Mai 2011
    Na ja, Arnie hat mittlerweile schon so viel vermutet, da muss zwangsläufig irgend etwas mal zutreffen ...
  • vosteivostei Mai 2011
    Njaaa - in Europa macht man halt gleich "wuhuhuuu" wenn es um Grundwasser geht. Freilich gibts auch in Japan Grundwasser, aber für deren Trinkwasserversorgung ist zum großen Teil Oberflächenwasser zuständig. Das hat natürlich auch Nachteile - die Trinkwasserversorgung dort reagiert sensibel auf alles, was aus der Luft kommt. Und dieser Verbreitungsweg ist schnell.
    Fuk liegt jedenfalls so, dass alles was irgendwie fließt im Meer landet. Auch nicht schön.
  • SileneSilene Mai 2011
    Spasstiger schrieb (an anderer Stelle):
    Offen ist für mich noch, woher die hohen Konzentrationen an radioaktivem Cäsium in den Kläranlagen 60 km vom Kraftwerk entfernt kommen. Auch über das Grundwasser?

    Da die öffentliche Wasserversorgung in Japan wohl hauptsächlich von Oberflächengewässern (Talsperren, Uferfiltrat?) gespeist wird, ist das Caesium ziemlich sicher nicht über das Grundwasser in die Kläranlagen gelangt. Für mich ist das ein klarer Fall von Bioakkumulation:
    Große Mengen von vergleichsweise niedrig konzentriertem Caesium sind z.B. durch Regen in die Kanalisation gewaschen worden. In der biologischen Reinigungsstufe der Kläranlage (Belebtschlammbecken) machen Bakterien und andere Mikroorganismen dann ihren Job: Sie binden die Stoffe im Wasser. Organische Moleküle werden geknackt, Schwermetalle und Spurenelemente werden inkorporiert. Die Biomasse, in der sich u.a. Caesium angereichert hat, wird dann als Klärschlamm abgesaugt.
  • vosteivostei Mai 2011
    Genau. Und btw. - der Klärschlamm wurde tonnenweise als Zuschlag für Beton verkauft, ob das gestoppt wurde, weiß ich nicht.
  • TimTim Mai 2011
    Late March - wäre interessant wie es aktuell aussieht.
  • TimTim Mai 2011
    > Fukushima: Wohin mit dem Mist?
    http://roerijk.wordpress.com/2011/05/16/fukushima-wohin-mit-dem-mist/

    Details wie damit jetzt, vorerst, umgegangen werden soll.
  • Überall wo man mit grossen Stoffmengen aus der Natur umgeht, kann es zu Akkumulationen kommen. Besonders wenn man filtriert. Ein Bericht zu den Klimaanlagen in Tokio würde da mal weiterhelfen. Deren Abwässer gehen dann auch in die Kläranlage. Bei den reinen Luftsystemen bleibt alles im Filter stecken.

    Gibt es eigentlich Messungen, wieviel an Aktivität nach einer Klärung noch vorhanden ist? Oder so etwas wie den Abreicherungsfaktor einer Kläranlage? Denn der Rest geht in die Flüsse und auf die Felder.

    Auch sind in modernen Autos Luftfilter vor der Klimaanlage, auch da wirds Einiges zu finden geben....
  • vosteivostei Mai 2011
    Abreicherungsfaktor.
    Ne Kläranlage reichert an. Im Idealfall sogar mächtig (fest und schwer und schon fies genug). Die richtig fiesen Sachen sind dann die wasserlöslichen, wie du sagst. Und deren Zerfallsprodukte. Beispiel Cer - da würde es mich auch interessieren, wie sich das verhält, wenn es erst mal im Abwasserspiel ist, vor allem was draus wird. Praseodym- kurzlebig aber heftig. ^^

    Will sagen: diese Geschichte anfangs mit dem sogenannten leicht strahlenden Wasser, was Tepco unbedingt schnell loswerden wollte - UND dann wochenlang brauchte, um den freien Platz wieder zu füllen... - so easy war das nicht unter dem Aspekt, dass anfangs sehr hohe Temperaturen im Spiel waren, wo eben Cer in Lösung geht.
  • SileneSilene Mai 2011
    Jetzt wird behauptet, dass dieses Wasser auf Drängen der USA ins Meer gepumpt wurde:

    [Kyodo News] Radioactive water released at U.S. request: Cabinet adviser
    Japanese playwright Oriza Hirata, who serves as a special adviser to the Cabinet, claimed in a recent lecture given here that the dumping of low-level radioactive water into the Pacific Ocean was done at the "strong request" from the United States, a person who attended the lecture said Wednesday. [...]

    Hirata's remarks, made Tuesday, that the release was not carried out based on Tokyo's independent judgment but rather on a request from Washington is likely to ignite a discussion. [...]

    While acknowledging that the release of the water caused concern in South Korea, he said the water that was discharged had an extremely low radioactivity and the quantity was small.

    Speaking at a news conference in Tokyo on Wednesday, Chief Cabinet Secretary Yukio Edano said that he was "not aware" of the release of the water being carried out at the request of the United States.
  • SileneSilene Mai 2011
    TEPCOs geplante Maßnahmen zum Schutz des Grundwassers (die Übersetzung stammt von www.houseoffoust.com

    image
    Attachments
    GroundwMeasures.png 64K
  • @ vostei

    Klar eine Kläranlage reichert normalerweise an, nur das Cs ist halt ein Alkalielement und bildet keine schwerlöslichen Salze, daher gehe ich davon aus, dass vieles an Radioaktivität einfach durch die Kläranlage durchmarschiert und wieder auf die Felder geht. Auf der anderen Seite findet man in der Asche erklägliche Mengen an Radioaktivität, aber da habe ich nur Bq/kg gesehen, das muss nicht unbedingt Cs und Jod sein. Vor allem nach dem Einäschern dürfte auch das ganze Jod im Schornstein sitzen, was noch einmal ein ganz anderes Thema ist. In Kläranlagen gibt man gerne Aluminumverbindungen hinein zum Fällen und Coagulieren, da bleiben vor allem auch hotspots hängen.

    Daher die Frage, hat jemand eine gamma-Analyse des Klärschlammes gesehen?
  • vosteivostei Mai 2011
    Wenn die das überhaupt posten, dann erst nach Gegenprüfung und evtl einer weiteren Probennahme. Das war auch bei den Sedimentproben so. Direktive seit dieser Fehlmessungsstory.
  • SileneSilene Mai 2011
    Gerade schon mal im Thread "Kühlwasserauslauf wo?" gepostet, aber hier passt es auch:

    [NHK] Rain likely to induce more radioactive leaks
    The operator of the damaged Fukushima Daiichi nuclear power plant says it is closely monitoring contaminated water levels in the facility as heavy rain is forecast next week.

    Tokyo Electric Power Company is continuing to inject water to cool reactors. As a result, the level of highly radioactive water around reactor buildings is rising.
  • @ Silene

    Gibt es Daten zu dem Bindemittel was man die ganze Zeit auf dem Gelände versprüht?
    Ist das eventuell wasserlöslich oder könnten gebundene Salze eventuell ausgewaschen werden?
  • vosteivostei Mai 2011
    Es soll ein wasserunlösliches Polymer sein.
  • SileneSilene Mai 2011
    [Asahi Shimbun] Water level at Fukushima reactor rises dramatically
    In the basements of the No. 2 and No. 3 reactors' turbine buildings, in particular, there is evidence that the pools of contaminated water are not isolated from the surrounding groundwater. Water levels in those buildings do not drop when water is removed.

    As long as water is flowing from the surrounding groundwater into the contaminated water, because the level of the groundwater is higher than that in the basements, the threat of substantial leaks is not considered acute.

    But if the level of the contaminated water rises above that of the groundwater, water would begin flowing in the other direction and is likely to spread contamination.

    It has not been confirmed that contaminated water has leaked into the groundwater from the basements in large quantities, but the levels of contaminated water in the basements are currently only a few meters lower than that of the groundwater.

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