Willkommen zum Fukushima-Info- und -Diskussions-Forum des physikBlogs.

Die Zahl der Kommentare auf unsere Fukushima-Beiträge ist jenseits der 1000er Marke. Es wird zu unübersichtlich!
Daher gibt's dieses Forum, bei dem ihr über den Unfall von Fukushima kommentieren könnt, was das Zeug hält!

Zu einer kleinen Einführung, hier entlang.

Ihr seid neu hier? Das physikBlog hat in vier Artikeln den Unfall von Fukushima begleitet. Eine Lektüre, zumindest des Aktuellsten, empfiehlt sich vor dem Mitdiskutieren!

Es sei erwähnt, dass wir bei der Moderation der Kommentare hier weniger streng sind, als im Blog. Ihr seid freier in eurer Themenwahl.

Viel Spaß, André & Andi vom physikBlog.

Status Reaktorgebäude 1 (ab 12.05.11)
  • SileneSilene Juli 2011
    [TEPCO] Plant Status of Fukushima Daiichi Nuclear Power Station (as of 10:00 am, July 14)
    At 5:30 am on July 14, we confirmed that the amount of water injected into the reactor decreased, we adjusted the water injection at 3.5 m3/h through reactor feed water system piping arrangement. Water is currently injected at approx. 3.5m3/h through reactor feed water system piping arrangement.

    Mal abwarten, ob die Aktivitätswerte im Drywell wieder hochschießen wie beim letzten Mal.
  • SileneSilene Juli 2011
    Ich will die Diskussion, ob der CAMS-Strahlungsdetektor nun korrekt funktioniert, nicht wieder hochkochen. Es geht mir nur darum, eine Hypothese (s.o.) zu verfolgen.

    Auf atmc.jp werden die Sensordaten seit dem 3. Juli nicht mehr aktualisiert, deshalb habe ich sie mal aus TEPCOs Statusberichten exzerpiert:

    CAMS radiation monitor D/W (B):
    28. Juni -> 35,4 Sv/h
    29. Juni -> 37,3 Sv/h
    1. Juli -> 210 Sv/h
    2. Juli -> 224 Sv/h
    3. Juli -> 60 Sv/h
    4. Juli -> 68,8 Sv/h
    5. Juli -> 41,9 Sv/h
    6. Juli -> 30,3 Sv/h
    7. Juli -> 33,4 Sv/h
    8. Juli -> 42,2 Sv/h
    9. Juli -> 35,5 Sv/h
    10. Juli -> 37,2 Sv/h
    11. Juli -> 42,9 Sv/h
    12. Juli -> 46 Sv/h
    13. Juli -> 41,4 Sv/h
    14. Juli -> 95 Sv/h

    Erkenntnis Nr. 1: Die (von der NISA übernommenen?) ATMC-Daten stimmen nicht mit denen in TEPCOs Statusberichten überein. (Edit: ATMC verwendet einen zeitlich höher aufgelösten Datensatz im CSV-Format von TEPCOs japanischer Seite! Den werde ich mir gleich näher ansehen.)

    Erkenntnis Nr. 2: Zu den von NHK berichteten Vorgängen ("Verstopfung" des Druckbehälters von Block 1 zwischen dem 2. und 4. Juli) finde in TEPCOs Pressemeldungen keine Bestätigung. Aber vielleicht übersehe ich da mal wieder was.

    Erkenntnis Nr. 3: Die Hypothese, dass die Verstopfung des RDB und die hohen angezeigten Strahlungswerte im D/W direkt miteinander zu tun haben könnten, wird erstmal nicht klar bestätigt.
  • SileneSilene Juli 2011
    So, hier mal eine korrekte Darstellung der Messwerte des (möglicherweise defekten) CAMS-Strahlungsdetektors im Drywell von Block 1, basierend auf dem o.g. Datensatz:

    image
    Zeitraum: 28. Juni - 14. Juli 2011, Werte in Sv/h
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    CAMS_DW(B)_Unit1.jpg 30K
  • TimTim Juli 2011
    Super!

    Selbst wenn die Ausreißer bis auf 250 Sv/h nicht korrekt sind - die 50 Sv/h wäre schon ungemütlich genug..
  • SileneSilene Juli 2011
    Das sind natürlich die Werte im Inneren des Containments. Dieses hat glücklicherweise bei Block 1 keine bekannten Lecks, durch die strahlendes Material in die Atmosphäre austreten könnte. Nach unten sieht die Sache schon anders aus. Aber TEPCO ist ja, wie bereits mehrfach gesagt, der Meinung, dass der Sensor defekt ist...

    Wollte nur nochmal drauf hinweisen, damit mir niemand vorwirft, ich würde hier Panik schüren. ;-)
  • SileneSilene Juli 2011
    Nachdem ich mir die komplette Datenreihe in aller Ruhe angesehen habe, zweifele ich eigentlich nicht mehr daran, dass der Sensor korrekt misst. Besonders klar wird das bei den Daten von Anfang April, wo TEPCO teilweise stündlich die Strahlung im Drywell notiert hat. Da kann man sehr gut erkennen, dass es keine wilden Sprünge in der Messkurve gibt und sich die Werte kontinuierlich aneinander fügen.

    Dennoch sieht das Diagramm völlig anders aus, als ich erwartet hätte:

    image
    Bis Ende März liegen die Werte im Drywell ziemlich ruhig bei 30-50 Sv/h. Dann schießen sie plötzlich unvermittelt hoch. Das dürfte wohl der Moment gewesen sein, als der Kessel undicht wurde und das Corium herausspritzte. Etwa drei Wochen lang scheint die flüssige Masse ziemlich gleichmäßig in das Containment gelaufen zu sein. Jedenfalls sank das Strahlungsniveau nur selten unter 120 Sv/h ab. Dann begann das "Sprotzen": Die Werte fielen immer wieder auf das Grundniveau von 40-50 Sv, um dann ein paar Stunden lang wieder heftig anzusteigen. Von Mitte Mai bis Mitte Juni war das ein regelrechtes Stakkato. Mittlerweile scheint der Kessel eher zu kleckern.
    Die verflüssigten Bestandteile des Coriums sind wahrscheinlich zum großen Teil abgelaufen, Schlacken und schwer schmelzende Substanzen sammeln sich am Boden des Druckbehälters und verstopfen schon mal den Wasserzufluss. Soweit meine Interpretation.

    Was denkt Ihr?
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  • thowabuthowabu Juli 2011
    Nach welchem Prinzip misst denn der Sensor ?
  • engeng Juli 2011
    Hmm, die kurzfristigen Schwankungen zwischen 50 und 250 sind schon heftig. Schwer zu erklären von hier aus ...
  • SileneSilene Juli 2011
    1. Hypothese: Wenn flüssiges Metall in ein Wasserbad fällt, zischt das recht heftig. Es bildet sich ein radioaktives Aerosol, das nach einiger Zeit wieder kondensiert.

    2. Hypothese: Vielleicht kleckert das Corium ja ganz nahe am Sensor vorbei. Die Intensität der Strahlung ist indirekt proportional zum Quadrat der Entfernung. Halbe Entfernung, vierfache Strahlung.

    Ein Faktor von 5 ist so gar nicht so schwer zu erreichen.
  • dirkdirk Juli 2011
    Wenn das Corium noch flüssig ist, müssten dann die Temperaturen nicht wesentlich höher sein und wesentlich mehr Wasser zur Kühlung benötigt werden?
  • SileneSilene Juli 2011
    Gemessen werden ja im wesentlichen die Temperaturen von sehr massiven Stahlbauteilen. Das sind gute Kühlkörper. Wenn sich das Corium aus dem RDB verkrümelt hat und jetzt einen Stock tiefer in den Beton hinein frisst, wieviel Wärme gibt es dann noch ab? Und wieviel davon wird an den Messpunkten erfasst? Das sind ernstgemeinte Fragen, weil ich keine Ahnung habe.

    Falls die Schmelze jetzt von Schlacke umgeben in (nicht strömendem!) Wasser liegt, wird sie vielleicht weniger Energie verlieren als in ihrem Inneren durch den Zerfall entsteht. Oder das Gegenteil ist der Fall: sie nimmt immer mehr Material aus der Umgebung in sich auf, so dass ein immer größerer Lavaklumpen entsteht, der schließlich abkühlt.

    Interessante Links in diesem Zusammenhang:
    http://www.plinius.eu/home/liblocal/docs/Flow_Solidification_VULCANO.pdf
    ftp://ftp.cordis.europa.eu/pub/fp5-euratom/docs/12-csc.pdf
  • engeng Juli 2011
    Also wir haben hier mittlerweile Themen für mehrere dutzend Doktorarbeiten. Material um die mit Leben zu füllen ist auch mehr als genug vorhanden. Allein schon die Beiträge von Silene ...
    Aber bitte die Fußnoten nicht vergessen ;).
  • engeng Juli 2011
    Diskussionsansätze
    1.) Die Schmelze ist durch Löcher im Boden des RDB ins Containment gelangt. Man hat Kühlwasser in den RDB gepumpt, die Schmelze im RDB kühlt ab und schließt die Löcher. Kühlung im RDB O.K., aber die Schmelze im Containment wird nicht gekühlt und frisst sich weiter durch den Beton??? (Glaube ich irgendwie nicht).

    2.) Wenn die Keller voll Wasser stehen, muss es ja entsprechende Leckagen geben. Also angenommen es steht auch Wasser im Containment, dann ist ja reichlich Wasser für eine Kühlung vorhanden, selbst wenn frisches Kühlwasser nicht zielgenau ankommt - nur wie ist die Temperaturentwicklung bzw. der Temperaturaustausch im stehendem Wasser???

    3.) Das Kühlwasser fließt durch den RDB ins Containment und dann in den Keller. Dann ist eigentlich mehr oder weniger ein ständiger Wasserfluss vorhanden. Da die Kühlwassermenge eigentlich gering ist, glaubt Tepco damit die Schmelze im Griff zu haben???

    Aber in allen drei Fällen sind die schwankenden Messungen trotzdem schwer zu erklären. Gibt es noch weitere Möglichkeiten?
  • SileneSilene Juli 2011
    Sorry, wenn das zu akademisch 'rüberkommt. ;-)
    Die Links zeigen ja vor allem eines: dass niemand im konkreten Fall in der Lage ist, konkrete Aussagen zu machen.
    Man hat zwar viel herumgeforscht, aber trotzdem hat längst niemand mehr den fachlichen Hintergrund den nötigen Überblick, um die Situation zu bewerten.
  • engeng Juli 2011
    @Silene: oh, sorry, wenn das jetzt falsch rübergekommen ist. Meine Aussage mit der Doktorarbeit war nicht ironisch gemeint. Gerade bei Deinen Beiträgen kann man sehr gut erkennen, wie komplex die ganze Angelegenheit ist. Du versuchst so viele Informationen wie möglich zu geben, und auch alles allgemeinverständlich rüberzubringen (vielen Dank dafür) - aber es ist und bleibt trotzdem kein leicht verständliches Themenfeld.
  • SileneSilene Juli 2011
    eng said:

    O.K., aber die Schmelze im Containment wird nicht gekühlt und frisst sich weiter durch den Beton??? (Glaube ich irgendwie nicht).

    Kennst Du The Crisis at Fukushima Dai-ichi Nuclear Power Plant von Prof. Joseph E Shepherd? Auf S. 113 dieser umfangreichen Zusammenstellung findet sich genau dieses Szenario:
    image

    eng said:

    2.) Wenn die Keller voll Wasser stehen, muss es ja entsprechende Leckagen geben. Also angenommen es steht auch Wasser im Containment, dann ist ja reichlich Wasser für eine Kühlung vorhanden, selbst wenn frisches Kühlwasser nicht zielgenau ankommt - nur wie ist die Temperaturentwicklung bzw. der Temperaturaustausch im stehendem Wasser???

    Tja, es ist ja nicht mal klar, wieviel Wasser sich direkt unter dem RDB befindet (siehe Bild).

    eng said:

    3.) Das Kühlwasser fließt durch den RDB ins Containment und dann in den Keller. Dann ist eigentlich mehr oder weniger ein ständiger Wasserfluss vorhanden. Da die Kühlwassermenge eigentlich gering ist, glaubt Tepco damit die Schmelze im Griff zu haben???

    Falls das Külwasser und das Corium überhaupt den selben Weg nehmen. Bisher kann ja niemand sagen, wie das Wasser in den Keller gelangt. Welche Rolle spielt dabei z.B. die Kondensation an der Außenseite des Kessels?

    eng said:

    Da die Kühlwassermenge eigentlich gering ist, glaubt Tepco damit die Schmelze im Griff zu haben???

    Vielleicht sollte man die Frage umformulieren: Würde es noch irgendeinen positiven Effekt haben, wenn man die Durchflussrate erhöht?

    P.S.: Ich habe Deinen Kommentar sicher nicht in den falschen Hals bekommen und freue mich über die Diskussion!
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    ShepherdS113.jpg 37K
  • engeng Juli 2011
    Fragen über Fragen ;)
    Welches Volumen hat die Schmelze? Wieviel ist davon durch den RDB ins Containment gelangt? Abhängig von der Menge hätte sich die Schmelze im Containment dann nicht auch seitlich durch die relativ dünnen Betonstützwände des RDB gefressen statt nur in den Boden? Wäre dann nicht wieder ein Kontakt zum Kühlwasser im Containment möglich?
    Btw: Wo genau ist das Messgerät plaziert? Was müsste das Messgerät mitbekommen und was nicht?
  • engeng Juli 2011
    Mal sehen ob ich bisher wenigstens ansatzweise alles richtig mitbekommen habe:
    1. Die Schmelze hat ein größeres Volumen und damit eine größere Öberfläche als die Brennstäbe und benötigt deshalb eine vergleichsweise geringere Kühlung?
    2. Je länger der Zeitraum seit der Abschaltung desto geringer die Wärmeentwicklung, egal ob jetzt als Brennstäbe oder als Schmelze?
    3. Das Volumen der Schmelze wird beim "Durchfressen" immer größer (durch die zusätzliche Metall- und Betonschmelze) und benötigt dadurch immer weniger Fremdkühlung?
  • SileneSilene Juli 2011
    eng said:

    Mal sehen ob ich bisher wenigstens ansatzweise alles richtig mitbekommen habe:
    1. Die Schmelze hat ein größeres Volumen und damit eine größere Öberfläche als die Brennstäbe und benötigt deshalb eine vergleichsweise geringere Kühlung?

    Das Corium besteht aus den geschmolzenen Brennstäben plus Zuschlag (Kontrollstäbe etc.). Frisch geschmolzen war die Oberfläche vermutlich deutlich geringer als die der intakten Stäbe, aber dafür war die Schmelze in direktem Kontakt mit dem Stahlkessel. Der hat viel Energie abgeführt.
    Jetzt, nachdem die Schmelze den Druckbehälter verlassen hat, ist die Situation nicht mehr klar. Wieviel liegt da unter dem Kessel, wie hat es sich verteilt? Die Geometrie spielt sicher eine große Rolle beim Wärmetransport.

    eng said:

    2. Je länger der Zeitraum seit der Abschaltung desto geringer die Wärmeentwicklung, egal ob jetzt als Brennstäbe oder als Schmelze?

    Die im Material freigesetzte Energie wird durch die Abklingkurve der Spaltprodukte im Corium bestimmt (Shepherd S. 25). Die Temperatur, die sich im Material einstellt, hängt aber auch davon ab, wieviel Wärme abgeleitet oder abgestrahlt werden kann.

    eng said:

    3. Das Volumen der Schmelze wird beim "Durchfressen" immer größer (durch die zusätzliche Metall- und Betonschmelze) und benötigt dadurch immer weniger Fremdkühlung?

    Vom Stahlmantel des Druckbehälter werden nur kleine Mengen in die Schmelze übergegangen sein (der verflüssigt sich ja kaum, weil er die Wärme gut ableiten kann). Beim Beton sieht die Sache schon anders aus, weil der schlechter leitet und sich bei großer Hitze u.U. in eine Silikat-Lava verwandelt. Laut CSC-Versuch fließt die Schmelze auf Beton auch nicht so gut wie auf einer Metallfläche. Es wäre deshalb möglich, dass sich da unten ein Lavateich gebildet hat, dessen Temperatur inzwischen deutlich geringer ist als die ursprünglichen Schmelze.

  • engeng Juli 2011
    @Silene: Vielen Dank, Ergänzungsfrage zu 3:
    Das Beton-Fundament ist ja ca. 8 Meter dick. Wie hoch ist jetzt noch die Wahrscheinlichkeit das sich die Schmelze da "durchfressen" könnte. Mein letzter Kenntisstand ist eigentlich, das sich die Temperatur der Schmelze beim "Betondurchfressen" so weit verringert, das sie sich letztendlich auch ohne Fremdkühlung doch nicht komplett durch den Beton durchfressen kann und der "Lavateich" zur Ruhe kommt. Ist das noch zutreffend, oder gibt es neue Erkenntnisse?
  • dirkdirk Juli 2011
    bzgl: erhöhen der Durchflussrate
    man hat die Menge reduziert und festgestellt das die Werte (Temp,Druck) gleich geblieben sind. Warum sollte man also erhöhen? Bringt nur noch mehr Wasser in die Keller. Inwieweit noch mehr Reduzierung möglich wäre ohne das die Werte steigen....
    Da eben die Werte NICHT gestiegen sind, würde ich von einer erstarrten Lava ausgehen die sich in einer Wasserlache befindet und so wesentlich weniger Kühlung benötigt.
  • engeng Juli 2011
    @dirk: so würde ich das auch vermuten (hoffen).
    Würde aber nicht zu den Strahlungs-Messwerten passen, deshalb ist ja die Diskussion über mögliche Alternativen entstanden. Aber vieleicht ist doch einfach das Messgerät nicht mehr ganz in Ordnung ...
  • SileneSilene Juli 2011
    Die Wikipedia hat auch hier mal wieder einige gute Informationen auf Lager:
    Zwischen dem Beton und der Coriumschmelze können mehrere Reaktionen stattfinden. Freies und chemisch gebundenes Wasser wird aus dem Beton als Dampf freigesetzt. Calciumcarbonat zersetzt sich und erzeugt dabei Kohlendioxid und Calciumoxid. Wasser und Kohlendioxid durchdringen die Coriummasse, oxidieren dabei exotherm die darin enthaltenen nichtoxidierten Metalle und erzeugen Wasserstoffgas und Kohlenmonoxid. Es können große Mengen von Wasserstoff entstehen. Calciumoxid, Siliciumdioxid und Silicate schmelzen und werden mit dem Corium vermischt. Die Oxidphase, in der die nichtflüchtigen Spaltprodukte angereichert sind, kann bei Temperaturen von 1300–1500 °C für eine beträchtliche Zeit stabil bleiben. Eine möglicherweise vorhandene Schicht von dichterem geschmolzenem Metall [...]kann zwischen den Oxiden und dem darunterliegenden Beton eine Trennschicht bilden, die das Eindringen des Coriums verlangsamt und im Laufe einiger Stunden fest wird. Während die Wärme in der Oxidschicht hauptsächlich durch Zerfallswärme entsteht, wird sie in der Metallschicht hauptsächlich durch die exotherme Reaktion mit dem Wasser erzeugt, das aus dem Beton kommt. Die Zersetzung des Betons und die Verflüchtigung der Alkalimetallverbindungen verbraucht bedeutende Wärmemengen.[2] Die Erosion der Beton-Grundplatte geht ungefähr eine Stunde rasch voran und schreitet fort bis in etwa einen Meter Tiefe. Dann verlangsamt sie sich auf einige Zentimeter pro Stunde und kommt ganz zum Stillstand, sobald die Schmelze unter die Zersetzungstemperatur des Betons (etwa 1100 °C) abkühlt. Vollständiges Durchschmelzen kann innerhalb einiger Tage auch durch mehrere Meter Beton erfolgen. Das Corium dringt dann mehrere Meter in den darunterliegenden Boden ein, kühlt ab und verfestigt sich.[3] Während Corium und Beton miteinander wechselwirken, können sehr hohe Temperaturen erreicht werden. [...]

    Die Thermohydraulik der Corium-Beton-Wechselwirkungen (CCI oder auch MCCI, molten core-concrete interactions) ist hinreichend verstanden.[8] Die Dynamik der Bewegung des Coriums innerhalb und außerhalb des Reaktorgefäßes ist jedoch hoch komplex, und die möglichen Szenarien sind zahlreich. Langsames Tropfen der Schmelze in ein darunterliegendes Wasserbad kann zu vollständigem Abkühlen führen, während rascher Kontakt einer großen Masse von Corium mit Wasser zu einer zerstörerischen Dampfexplosion führen kann. Das Reaktorgefäß kann das Corium vollständig zurückhalten, es können aber auch der Reaktorboden oder einige der sich darin befindenden Instrumentenbohrungen durchgeschmolzen werden.[9]
  • dirkdirk Juli 2011
    Die Temperatur Werte passen (ca 10Messwerte), Druckwerte sind nur drei vorhanden, gehen wir mal von passend aus, Cams, ein Wert durchgehend auf 0 (defekt sind wir uns ja wohl einig), ein Wert zeigt extrem sprunghafte Werte, sogar innerhalb von zwei Std. Ob der ernst zunehmen ist sei jedem selber überlassen, ich halte den für Blödsinn.
    Das die BS geschmolzen sind ist fakt, wo sich die Überreste, in welcher Form auch immer, befinden, werden wir wohl erst in einigen Jahren wissen. Das Containment müsste dafür geöffnet werden und zumindest ein Roboter reingeschickt werden. Oder es findet sich jemand der selbst reingeht.
  • engeng Juli 2011
    @Silene: Danke für den Wikipedia Artikel.

    Aber zumindest bei mir sind dadurch ein paar zusätzliche Fragen entstanden, oder anders gesagt, es gibt für mich Widersprüche weil ich wohl nicht alles verstanden habe.

    Wikipedia: „Eine möglicherweise vorhandene Schicht von dichterem geschmolzenem Metall ... " kann ja nur entstanden sein wenn der Reaktorboden geschmolzen ist. Dazu müsste man jetzt genau wissen wann die Kernschmelze stattgefunden hat, bzw. wie lange diese in Gang war, bevor wieder Kühlwasser gepumpt wurde.

    1. Angenommen der Boden ist nicht geschmolzen:
    Was ist in dem Moment im RDB passiert als wieder Wasser zugegeben wurde? Im unteren Bereich rotglühend von der Kernschmelze, nach oben hin wird die Temperatur zwar geringer, ist aber immer noch sehr hoch. Nun gibt man Wasser hinzu – im Grunde genommen für das Material des RDB keine gute Idee. Die Temperatur im Inneren des RDB war so hoch das das Wasser verdampft ist mit entsprechendem Druckanstieg als Folge. Wie lange hat dieser Verdampfungsvorgang stattgefunden bis zum ersten mal tatsächlich das Wasser mit dem Stahl des RDB in Berührung kam? Wann hat das Wasser zum ersten mal die Schmelze ereicht? Wie hoch waren die Temperaturen? Waren dadurch Spannungsrisse im Stahlmantel möglich? Wenn ja, läuft aus den Rissen nur das Kühlwasser heraus oder auch Schmelze?

    2. Angenommen der RDB-Boden ist geschmolzen:
    Eigentlich gleiches Szenario wie 1, aber bevor das erste Mal Kühlwasser kommt tropft Schmelze durch den RDB-Boden auf den Beton. Wie lange und wie viel ist nicht bestimmbar.
    Wikipedia: „Eine möglicherweise vorhandene Schicht von dichterem geschmolzenem Metall [...]kann zwischen den Oxiden und dem darunterliegenden Beton eine Trennschicht bilden, die das Eindringen des Coriums verlangsamt und im Laufe einiger Stunden fest wird.“
    Wenn diese Trennschicht fest wird, kann doch eigentlich der Beton nicht weiter zersetzt werden, oder?

    3. Angenommen der Beton wird von der Schmelze zersetzt:
    Wikipedia: „Die Erosion der Beton-Grundplatte ... kommt ganz zum Stillstand, sobald die Schmelze unter die Zersetzungstemperatur des Betons (etwa 1100 °C) abkühlt“. In diesem Punkt ist der Artikel sehr vage (der Vorgang ist natürlich auch sehr komplex). Wann ist diese Temperatur erreicht?
    „Die Zersetzung des Betons und die Verflüchtigung der Alkalimetallverbindungen verbraucht bedeutende Wärmemengen“ aber „Während Corium und Beton miteinander wechselwirken, können sehr hohe Temperaturen erreicht werden.“ Kühlt es nun ab oder nicht?

    Im letzten Abschnitt steht im Wikipedia-Artikel allerdings abschließend etwas, was wir hier auch festgestellt haben: es ist vieles möglich und nichts genaues weiß man nicht.
  • SileneSilene Juli 2011
    Tja, diese Fragen kann leider niemand klar beantworten. Den einzigen Anhaltspunkt liefert meiner Meinung nach die Strahlungsaktivität im Drywell. Ich halte die Messwerte für glaubwürdig und sogar recht aussagekräftig.

    Der aktuelle Datensatz zeigt, dass die Werte seit 48 Stunden nicht mehr stark angestiegen sind. Sieht so aus, als wäre das Corium jetzt abgelaufen.

    Wenn Wikipedia recht hat, besteht Anlass zur Hoffnung:
    "Langsames Tropfen der Schmelze in ein darunterliegendes Wasserbad kann zu vollständigem Abkühlen führen". Wollen wir's hoffen.
  • @ Silene

    Ein langsames Raustropfen scheint die Werte am besten zu erklären. Das Problem ist, dass niemand hineinsehen kann und wirklich sagen kann, wie es in den jeweiligen Behältern aussieht.

    Vermutlich hat sich das Corium mit anderen Bestandteilen vermischt und die physikalischen Eigenschaften (Schmelzpunkte (Eutektika), Fliessverhalten, etc) sich damit verändert.

    Interessant ist auch der Artikel in Wikipedia zu Corium von Tschernobyl der sehr schön zeigt, welche Gemische entstehen können und welche Eigenschaften damit verbunden sind.

    Kritisch ist aus meiner Sicht ist das Langzeitverhalten dieser Gemische. In Tschernobyl hat man beobachtet, dass die erkaltenen Schmelzen zum spontanen Verstauben neigen, das bedeutet, es werden hochaktive Partikel generiert, die von Wind weit weg getragen werden können.

  • dirkdirk Juli 2011
    Trotz Reduzierung der Wassereinspeisung sind die Temperaturen leicht gesunken.
    http://www.tepco.co.jp/en/nu/fukushima-np/f1/images/11071706_temp_data_1u-e.pdf

    Heute ist wieder auf 4m³/h erhöht worden.
  • SileneSilene Juli 2011
    @ dirk: Verrückt, nicht wahr? Man reduziert das Kühlwasservolumen und die Temperaturen im unteren Bereich der Druckbehälter erhöhen sich nicht, sondern fallen sogar. Vielleicht weil weniger heißer Dampf von unten aufsteigt und die RDB dadurch erwärmt?
  • engeng Juli 2011
    Solange wir nicht wissen wo überall Lecks sind, bzw. wo das Kühlwasser hinkommt bzw. wo es nicht hinkommt, wo Schmelze ist und wo nicht usw. usw. können wir auch den Kaffeesatz lesen. Vielleicht sollten wir die Diskussion in einigen Jahren fortführen, wenn die 'Black Box' geöffnet wird.
  • SileneSilene Juli 2011
    Die Entscheidungsträger vor Ort denken sicher über diese Fragen nach. Solange man nicht herausfindet, wo sich das Corium befindet, kann man auch nicht vernünftig beurteilen, welche weiteren Maßnahmen zu treffen sind.
    In Tschernobyl ist man sogar mit Schweissbrennern in den Reaktorraum vorgedrungen, um sich ein Bild zu machen.
  • dirkdirk Juli 2011
    Fragt sich nur warum dann wieder auf 4m³ erhöht wurde.
    Ich tippe allerdings das wir in ein paar Tagen wieder ~3,3m³ sehen werden.
  • dirkdirk Juli 2011
    In allen 3Units ist die Einspeisemenge, obwohl alle Werte rückläufig waren, erhöht worden.
  • stephan_kstephan_k Juli 2011
    Ich mache mir so meine Gedanken, ob das Wasser, das in Unit1 engespeist wird, wirklich den Kern erreicht (wo auch immer er liegt).
  • dirkdirk Juli 2011
    wenn es den Kern (Corium) erreicht, sollte die Wassermenge dicke ausreichen (auf die Temperaturen bezogen)
    wenn es NICHT das Corium erreicht können sie sich das Wasser sparen.
  • thowabuthowabu Juli 2011
    Wenn Silenes Annahme richtig ist sollte die Temperatur wieder steigen.
    Wenn nicht ist die Theorie falsifiziert.
  • SileneSilene Juli 2011
    Tja, ich hab es vorhin schon im Kühlwasser-Thread gepostet: Die Einspeisung wurde wieder reduziert.

    [TEPCO] Plant Status of Fukushima Daiichi Nuclear Power Station (as of 3:00 pm, July 19)
    At around 10:10 am of 7/19, amounts of water injection to reactor pressure vessels have been changed, Unit 1: from approx. 4.0m³/h to approx. 3.8m³/h, Unit 2: from approx. 4.1m³/h to approx. 3.8m³/h.

    Irgendwie ist es unbefriedigend, Hypothesen aufzustellen, wenn ständig an den Parametern herumgeschraubt wird...
  • dirkdirk Juli 2011
    Wie auch dran rumgeschraubt wird, an 6 von 19 Messpunkten ist man unter 100Grad inzwischen.
    http://www.tepco.co.jp/en/nu/fukushima-np/f1/images/11071906_temp_data_1u-e.pdf
    und <100Grad ist die magische Grenze für "cold shutdown"
  • SileneSilene Juli 2011
    Ja, das ging schnell. Abgesehen von einem kurzen Aussschlag am 18.7 (17:00) zeigt übrigens auch die Strahlungsmessung im D/W seit drei Tagen keinerlei erhöhte Aktivitäten. Auch das deutet darauf hin, dass jetzt alles flüssige Material aus dem Kessel gerutscht ist.

    Falls überhaupt noch ein Wärmetransport vom Corium in Richtung Druckbehälter stattfindet (Dampf?), ist der Effekt jedenfalls nicht sehr groß.
  • SileneSilene Juli 2011
    Es macht zwar keinen großen Unterschied, aber die Kühlwasserzufuhr von Block 1 wurde gerade auf 3,7 m³/h reduziert. Vielleicht tastet man sich jetzt wirklich herunter.
  • stephan_kstephan_k Juli 2011
    Der Wasserspiegel in Block 1 steigt derzeit viel schneller als vorher. Das kann ein Resultat des Regens sein. Es könnte aber auch ein Hinweis darauf sein, dass das Wasser nicht mehr so stark erhitzt wird bzw. das Corium nicht mehr gut erreicht, und deshalb weniger verdampft.
  • JorindeJorinde Juli 2011
    Liegt scheint's auch am Regen:


    Rain increases contaminated water at plant

    Heavy rain brought by a tropical storm has increased the level of radioactive contaminated water at the basements of the crippled Fukushima Daiichi nuclear power plant.

    Typhoon Ma-on moved east off the southern coast of Japan's main island of Honshu. 115 millimeters of precipitation was recorded in Namie Town, north of the plant, between Tuesday and Thursday.

    Rain has been gathering in the buildings housing the reactors because the roofs were severely damaged by hydrogen explosions that occurred after the initial March 11th disaster.

    Tokyo Electric Power Company or TEPCO, the plant's operator, says that at 7 AM local time on Thursday, the level of contaminated water pooled at the basement of the building of the No. 1 reactor was 44 centimeters up from the previous day.

    Officials at the utility say that there is no immediate danger of the contaminated water spilling out.

    But it is likely that the level of water will continue to rise for the time being. TEPCO says they are monitoring the situation.

    Thursday, July 21, 2011 16:17 +0900 (JST)

    http://www3.nhk.or.jp/daily/english/21_19.html
  • SileneSilene Juli 2011
    dirk said:

    Wie auch dran rumgeschraubt wird, an 6 von 19 Messpunkten ist man unter 100Grad inzwischen. [...] und <100Grad ist die magische Grenze für "cold shutdown"


    Mittlerweile zeigen gerade noch zwei Sensoren (Vessel Flange und CRD Housing Lower Part) mehr als 100 °C an, der restliche Kessel ist bereits auf 95-96 °C abgekühlt.
  • dirkdirk Juli 2011
    Wir hatten schon mal Mitte Mai Temperaturen unterhalb 90Grad. Ich weiß aber nicht mehr warum die so niedrig waren und vor allem warum die Temps. wieder gestiegen sind.
  • SileneSilene Juli 2011
    Tja, am 17. Mai wurde die Wasserzufuhr von 10 m³ auf 6,3 m³ stündlich reduziert. In der Folge schoß die Reaktortemperatur dann wieder von 80 °C am Boden des Druckbehälters auf über 100 °C hoch.

    Im Augenblick liegt die Durchflussrate aber nicht mal bei 4 m³/h. Die durch den Zerfall freigesetzte Energie des Kernbrennstoffs ist seit Mai vielleicht um 5% gesunken, dadurch lässt sich der Temperaturabfall sicher nicht erklären.
  • SileneSilene Juli 2011
    Bei genauerer Betrachtung kann man auch einen gewissen Zusammenhang zwischen der Temperatur des Kessels und der Strahlung im DryWell erkennen:

    image
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    Unit1_TempRad.png 74K
  • SileneSilene Juli 2011
    In diesem Zusammenhang erwähnenswert:

    [Japan Times] Plugging reactors no longer stated goal for Tepco
    The government and Tokyo Electric Power Co. are boasting success in achieving the first stage in the road map to stabilize the reactors at the Fukushima No. 1 power plant, but experts said big challenges remain as the utility moves to the second phase, the goal of which is to achieve a cold shutdown in three to six months. [...]

    A cold shutdown is usually defined as bringing the temperature of the reactor-core coolants to below 100 degrees. But this has been redefined as bringing the temperature at the bottom of the pressure vessels to below 100 degrees and reducing the release of radioactive materials from the reactors because the cores in units 1, 2 and 3 are believed to have melted down to the bottom of the pressure vessels.
  • dirkdirk Juli 2011
    Wenn der Brennstoff sich noch am Boden des RDB befindet, ist doch schon mal gut...
  • SileneSilene Juli 2011
    Und was spricht Deiner Meinung nach dafür, dass er sich noch dort befindet?
  • dirkdirk Juli 2011
    "because the cores in units 1, 2 and 3 are believed to have melted down to the bottom of the pressure vessels."

    Mein Kommentar war ein wenig sarkastisch gemeint bzgl dieser Pressemeldung.
    Ach so, meine Meinung ist:das Corium befindet sich zu einem kleinen Teil im RDB und das meiste im Containment im Wasser.

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